Wie der Augsburger Kaufmann Jakob Fugger zu einem der einflussreichsten Männer Europas wurde – und warum sein Erfolg auch Risiken mit sich brachte.
Jakob Fugger hatte ein Problem: Einer seiner wichtigsten Schuldner war mit der Rückzahlung im Rückstand. Dumm nur, dass es sich dabei um Karl V. handelte – einen der mächtigsten Männer Europas.
Also schrieb Fugger ihm 1523 einen Brief. Darin erinnerte er den Herrscher ziemlich selbstbewusst daran, dass er ohne seine finanzielle Unterstützung die römische Krone kaum erlangt hätte.
Ein Kaufmann aus Augsburg, der einem Kaiser seine Schulden vorhält. Das muss man sich erst einmal vorstellen.

Als ich Der reichste Mann der Weltgeschichte von Greg Steinmetz gelesen habe, fand ich genau solche Geschichten faszinierend. Denn Fugger verstand es, sein Vermögen nicht nur zu vermehren, sondern damit auch politischen Einfluss zu gewinnen.
Was mich daran besonders beschäftigt hat: Diese Macht beruhte auf gegenseitiger Abhängigkeit. Und genau darin lag auch eines seiner größten Risiken.
Geld allein macht noch nicht mächtig
Fugger war unglaublich reich. Aber sein eigentliches Erfolgsrezept bestand darin, sein Vermögen geschickt einzusetzen.
Herrscher brauchten ständig Geld. Für Kriege, politische Vorhaben oder die Sicherung ihrer Macht. Fugger konnte dieses Geld bereitstellen und sich dafür wirtschaftliche Vorteile sichern, beispielsweise Rechte an Bergwerken.
Besonders deutlich wurde seine Bedeutung bei der Königswahl von 1519.
Nach dem Tod Maximilians I. sollte ein neuer römisch-deutscher König gewählt werden. Dessen Enkel Karl benötigte enorme finanzielle Mittel, um seine Kandidatur durchzusetzen.
Fugger stellte rund 540.000 Gulden bereit. Das entsprach ungefähr zwei Dritteln der gesamten Wahlgelder.
Karl gewann die Wahl.
Natürlich hatte Fugger damit nicht einfach einen Kaiser gekauft. An der Wahl waren zahlreiche politische Akteure beteiligt. Aber ohne die Finanzierung wäre Karls Kandidatur erheblich schwieriger gewesen.
Und jetzt kommt der Punkt, den ich besonders interessant finde: Die Abhängigkeit funktionierte in beide Richtungen.
Karl brauchte Fuggers Geld. Fugger wiederum war darauf angewiesen, dass Karl seine Verpflichtungen erfüllte. Schließlich bestanden bereits aus der Regierungszeit Maximilians erhebliche Schulden.
Fugger hatte also großen Einfluss auf seinen mächtigen Kunden gewonnen. Gleichzeitig hing ein erheblicher Teil seiner eigenen wirtschaftlichen Interessen von diesem Kunden ab.
Wie reich war Jakob Fugger eigentlich?
Jakob Fugger war nicht einfach nur wohlhabend. Der Mann war unfassbar reich.
Laut den Fuggerschen Stiftungen lag sein Vermögensanteil bei einer Inventur von 1527 bei rund 668.000 Gulden. Sein Unternehmen war insgesamt noch deutlich mehr wert.
Wie viel das heute wäre, lässt sich kaum seriös sagen. Rechnet man über den Goldwert, kommt man laut den Fuggerschen Stiftungen nur auf rund 60 Millionen Euro. Andere Schätzungen setzen sein Vermögen ins Verhältnis zur damaligen Wirtschaftsleistung und landen bei dreistelligen Milliardenbeträgen.
Genau diese Spanne zeigt, wie schwer sich Reichtum über 500 Jahre vergleichen lässt. Sicher ist: Zu seiner Zeit war Fugger einer der reichsten Menschen Europas.
Wenn Reichtum zum Risiko wird
Eine weitere Erkenntnis aus dem Buch ist mir besonders im Gedächtnis geblieben.
Viel Vermögen zu besitzen bedeutet nicht automatisch, jederzeit genügend Geld zur Verfügung zu haben.
Das hatte Fugger bereits 1509 erfahren. Nach dem Tod des Kardinals Melchior von Meckau, der große Summen bei den Fuggern angelegt hatte, entstanden Streitigkeiten um dessen Nachlass. Die drohende Rückzahlung brachte das Handelshaus in eine schwere Krise.
Und auch die Finanzierung Karls war alles andere als risikofrei.
Denn selbst wenn der Schuldner ein mächtiger Herrscher ist, muss das Geld irgendwann zurückkommen. Wenn die Rückzahlung von politischen Entscheidungen und staatlichen Einnahmen abhängt, wird aus einem gewöhnlichen Kreditgeschäft schnell ein erhebliches Risiko.
In meinen Buchnotizen habe ich dazu einen ziemlich einfachen Satz festgehalten:
„Gier frisst Hirn.“
Vielleicht etwas überspitzt, aber die Erkenntnis dahinter finde ich wichtig: Je größer eine Geschäftschance erscheint, desto genauer sollte man auf ihre Risiken achten.
Was ich aus Fuggers Geschichte mitnehme
Mich beeindruckt, wie Fugger wirtschaftliche Chancen erkannte, sein Kapital einsetzte und Beziehungen aufbaute, die ihm enorme Möglichkeiten eröffneten.
Gleichzeitig sehe ich ihn keineswegs nur als vorbildlichen Unternehmer. Sein Streben nach Reichtum und Einfluss hatte auch problematische Seiten.
Genau diese Widersprüche machen seine Geschichte für mich interessant.
Besonders hängen geblieben ist bei mir, dass wirtschaftlicher Erfolg nicht allein davon abhängt, wie viel Geld man besitzt. Entscheidend ist auch, wie man es einsetzt, mit wem man zusammenarbeitet und welche Risiken man eingeht.
Fugger verstand es, sich für die mächtigsten Menschen seiner Zeit nahezu unverzichtbar zu machen.
Aber gerade seine Geschichte zeigt, dass Einfluss und Abhängigkeit manchmal näher beieinanderliegen, als man zunächst denkt.
Das Buch zum Artikel
Der reichste Mann der Weltgeschichte – Greg Steinmetz
Das Buch bietet einen spannenden Einblick in Fuggers Leben und die wirtschaftlichen Verhältnisse seiner Zeit. Besonders interessant fand ich die Zusammenhänge zwischen Handel, Finanzierung, politischen Beziehungen und unternehmerischem Risiko.
Ein Kritikpunkt: Stellenweise zieht sich das Buch. Nicht jedes Detail war für mich gleich relevant, und manche Passagen hätten kürzer sein dürfen. Wer sich für die großen Namen der Wirtschaftsgeschichte interessiert, wird trotzdem viel daraus mitnehmen.
